Heilig und fröhlich so feiert man in Spanien Ostern
Wenn Sie die Osterferien in Spanien verbringen, erwartet Sie ein außergewöhnliches Schauspiel, anders als in den mitteleuropäischen Ländern wird die Osterzeit gefeiert: Die spanische Karwoche, die Semana Santa ist ein religiöse Volksfest. Sie beginnt am Palmsonntag und
endet in der Nacht zum Ostersonntag. Heidnische Bräuche mit denen die Einkehr des Frühlings gefeiert werden und die christliche Trauer um den Tod Jesus Christus und die Freude über die Auferstehung vermischen sich und finden Ausdruck in Prozessionen und Umzügen. Die größten Spektakel
finden in den Provinzen Murcia und Andalusien statt.
 | In Sevilla wird eine gewaltige Prozession, an der 55 Bruderschaften beteiligt sind, veranstaltet. Im ausklingenden fünfzehnten
Jahrhundert gab es hier zum ersten Mal diese Bruderschaften, die sich nach und nach über das ganze Land verbreiteten. |
Sie fördern und bewahren die religiösen Riten bis heute und übernehmen oft wohltätige Aufgaben. Die Brüder tragen Kutten und die spitzen Büßerhüte, die als Kapuzen den Kopf verdecken. Derartig vermummt ziehen ganz früh morgens, wenn es noch dunkel ist, die Gestalten durch den Ort,
begleitet von Klagegesängen und Trommelmusik.
| Lorca (Provinz Murcia) ist berühmt für seine mit Gold und Silber bestickten kostbaren Tuniken. Die konkurrierenden Bruderschaften "blancos" und "azules" stellen bei der
Prozession Bibelszenen nach, eine Parade von Soldaten auf feurigen Pferden stellt den Zug zum Tempel nach Jerusalem nach.
Ebenso beliebt sind die Passionsspiele, die vor allem im Norden Spaniens aufgeführt werden. In Cervera in der Provinz Lérida (Lleida) finden seit 1481 jährlich die ältesten urkundlich belegten Spiele statt. Über 300 kostümierte Darsteller bieten einen ganzen Tag lang
ein sehenswertes Schauspiel. |
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Auch in Valencia finden allerorts Prozessionen statt. Mitglied in einer Bruderschaft zu werden ist hier nahezu unmöglich. Die Bruderschaften nehmen fast alle wegen „Überfüllung“ keine neuen Mitglieder mehr auf. Die Mitgliedschaften werden sogar vererbt. Hin und wieder wird dann eine
neue Bruderschaft gegründt. Allein in Gandia (30.000 Einwohner) gibt es über 30 Bruderschaften, die -in Ausnahmen- zu 400 Mitgliedern haben. Übrigens tragen die Männer und Frauen unter Ihren Kutten etwas sehr begehrtes. Riessige Beutel mit Bonbons, die an die Kinder an den
Strassenrändern verteilt werden (Motto: "Wer in der Karwoche keine Süßigkeiten verteilt, dem wird Gott nicht vergeben, und er wird nicht ins Himmelreich kommen"). Sollten Sie also mit Ihrer Familie einer solchen Prozession beiwohnen wollen, statten Sie Ihre Kinder mit grossen
Tüten zum sammeln aus. Es wird so einiges zusammenkommen. Auch sollte man wissen, das die vorderste Reihe am Gehweg immer durch Stuhlketten besetzt ist. Diese Stühle sind nummeriert und werden schon Tage oder Wochen vorher verkauft. Man braucht zwar gutes Durchhaltevermögen, denn eine
Prozession kann schon an die vier bis sechs Stunden dauern, aber es lohnt.
 | Die mit unzähligen Blumen geschmückten Heiligenfiguren, werden am Ende wieder in die Kirchen transportiert. Dort werden die Blumen an
Männer verteilt, die mit Hilfe von Ellenbogen und freundlichen Worten Ihren weiblichen Familienmitgliedern eine solche Blume „erobern“.
Nach den Festzügen, Prozessionen oder Passionsspielen trifft sich traditionsgemäß die Verwandtschaft und die Freunde zum Essen, um das
Gesehene zu bereden. Es gibt regional unterschiedliche Semana - Santa - Mahlzeiten, sie immer fleischlos sind, wie zum Beispiel Gemüseeintöpfe, die sich sehr gut vorbereiten lassen oder Stockfisch- oder Eiergerichte. |
In anderen Regionen (insbesondere auf den Kanaren) trifft man sich zu einem Picknick in der freien Natur und genießt beispielsweise eine
Paella, die über einem Lagerfeuer bereitet wird.
Der Ostersonntag ist dann ein wahres Freudenfest und wird traditionell in der Familie gefeiert. Das herkömmliche Festessen ist das Lammgericht, dass in den verschiedenen Regionen unterschiedlich zubereitet wird. Lamm ist das Symbol des Lebens aufgrund seiner vielfachen Nützlichkeit. Es
eignet sich zum Essen und Trinken, es gibt Kleidung und dient zur Herstellung vieler Dinge, weil das Horn vielseitig verwendet werden kann. So garantiert das Schaf als Opfertier eine gute Beziehung zur Gottheit.
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Am Ostermontag bäckt man die MONA DE PASQUA, den Osterkringel. Er ist aus einem schwach süßen Hefeteig und wird mit hart gekochten Ostereiern geschmückt. Manchmal ist er auch mit Marmelade gefüllt. Es ist die Sitte, dass der Pate seinem Patenkind bis zur 1. Kommunion eine mona schenkt
- und jedes Jahr kommt ein Ei mehr hinzu. Allerdings ist das mit dem Backen in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund gerückt, da es in jeder Bäckerei und jedem Supermarkt ein vielfältiges Angebot dieser Gebäckstücke gibt.
 | In
Torrevieja, wo die Tradition der Kar-Prozessionen rund 200 Jahre zurückreicht, besitzt man seit dem 30.Mai 1992 ein eigenes Museum zur Semana Santa. In der Strasse "Calle Formentera" sind hier die Throne der vierzehn Bruderschaften und ebenso viele Vitrinen, in denen die
vereinseigenen Gewänder und Utensilien ausgestellt sind, zu sehen. Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-10.30 und 16 bis 20 Uhr. |
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